Die Visionssuche basiert auf der Tradition vieler Naturvölker, nicht nur der der Indianer, wonach Jugendliche auf der Schwelle zum Erwachsensein einen Initiationsritus durchleben müssen. Bei der von mir gemeinten Visionssuche muss der Suchende mehrere Tage und Nächte (meistens 4) alleine im Wald oder auf einem Berg ausharren. Er hat weder Essen noch Trinken bei sich, nur Dinge wie z.B. ein Zelt oder einen Schlafsack sowie seine für ihn wichtigen rituellen Gegenstände (in meinem Fall waren es Pfeife, Trommel, Räucherwerk).
So da sitzt man nun und denkt sich “Was zum ... mach ich hier nur??? Könnte jetzt im warmen Trockenen sitzen, etwas Leckeres essen und trinken.”
Mein Lehrer, der Medizinmann Long Time Travelling, erklärte mir, dass das genau der gewünschte Punkt ist. Erst an diesem beginnt der Denkprozess, warum man so etwas überhaupt macht. Warum nimmt man Strapazen und Entbehrungen auf sich? Doch wohl nur weil man sich etwas erhofft. Auf einer Visionssuche ist man gezwungen, sich mit sich selbst zu beschäftigen. Dinge in seiner Seele anzuschauen, die man sonst nicht so gerne anschaut. Zu ergründen, wo stehe ich gerade und wo will ich hin. In welche Richtung will ich mich entwickeln? Was erwarte ich mir von der Zukunft, von mir?
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist es, sich seinen Ängsten zu stellen, sie zu erforschen. Nicht jeder mag es, alleine im Wald zu schlafen. Wir bekommen Besuch von neugierigen Wesenseinheiten. Manche nehmen wir als dunkel wahr. Manche als lichtvoll. Manche bringen uns Visionen, die uns weiterbringen.
Mein Fazit ist, dass ich mich hinterher erholter fühlte als nach drei Wochen Strandurlaub trotz der Entbehrungen oder gerade deshalb, so paradox es auch klingen mag.
Jede Visionssuche wird mit mir individuell abgestimmt, also muss nicht zwangsläufig mit dem Verzicht auf Flüssigkeit einhergehen, vor allem nicht bei Erkrankungen und Medikamenteneinnahme.
Gesundheit geht vor und so rate ich jedem vor Antritt auch zu einem Arztbesuch, um eventuelle Risiken abzuklären.
Ganz Sein
